Flut

Womit soll ich anfangen?

Ich brauchte einen niedergelassenen Neurologen, einen Therapeuten, Physiotherapie und ganz zu schweigen von Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten.

Diese Flut von Gefühlen und Informationen überwältigte mich.

Am Liebsten hätte ich mich wochenlang nur ins Bett gelegt und mir die Augen ausgeweint.

Aber ey, wie könnte ich? Ingo, Thomas, meine Familie und die Arbeit.

Also, Arschbacken zusammenkneifen, Autopilot und vor allem das Telefon an.

Ich habe direkt im Diagnosegespräch die Empfehlung bekommen, mir einen Psychotherapeut zu suchen, der mit der Multiplen Sklerose nichts zu tun hat.

Ich hatte das wahnsinnige Glück über Vitamin B als Kassenpatientin an eine hervorragende Therapeutin zu kommen, bei der ich auch heute noch regelmäßig in Behandlung bin.

Eine wundervolle und ganz bezaubernde, niedergelassene Neurologin in der Nähe, hatte ich auch schnell gefunden. Wahnsinn. Läuft doch!

Physiotherapie bekam ich ohnehin schon regelmäßig und das mit der Ernährung wird auch schon irgendwie.

Wisst ihr, das alles hat mich so viel Kraft gekostet, dass ich rückblickend nicht mehr ansatzweise nachvollziehen kann, wie ich das geschafft habe. Termine über Termine und dazu eine 40 Stunden Woche.

Der tiefe Fall ließ nicht lange auf sich warten. Ich wollte mit dem Thema MS erstmal nichts mehr zu tun haben. Bücher landeten in der Ecke und nichts ergab mehr Sinn.

Könnte das alles ja schließlich eh bald nicht mehr. Lesen, laufen, vielleicht nicht mal mehr alleine essen.

Ich hatte vorher in meinem Leben schon öfter mit Ängsten zu tun aber niemals so sehr, dass ich dachte, sie würden mir mein Leben wegnehmen.

Meine Neurologin/Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie machte mir den Vorschlag eines stationären Aufenthaltes.

NEVER. EVER. Nicht für mich. Ich brauche mein Zuhause wie Luft zum Atmen.

Tagesklinik? Ja!

Ich hatte auch dieses Mal unsagbares Glück und konnte im August 2018, also knapp 4 Monate nach der Diagnose, in der schlimmsten Zeit meines Lebens, aufgenommen werden.

10 Wochen. Höchstdauer.

Depressionen und Ängste. Irgendwo zwischen Gesprächs- und Ergotherapie lernte ich meinen heutigen, besten Freund kennen.

Ich wurde auf Psychopharmaka eingestellt und blühte zusehend auf. Noch heute kann ich nur schwer den Entlassungsbrief lesen, weil es mir selber wehtut auf diese Zeit zurück zu blicken.

Wie muss es dann nur den Menschen ergangen sein, die mich lieben?

Ich kehrte nach 10 Wochen mit einer Wiedereingliederung zur Arbeit zurück und reduzierte meine wöchentliche Arbeitszeit.

Die Tablettendosis konnte ich halbieren.

I’M ALIVE!

Ich bin unglaublich stolz, stolz auf meine Akzeptanz der MS gegenüber. Stolz auf meine Reflexion, auf die Achtsamkeit die ich mir selbst schaffe gegenüber zu bringen. Ich bin stolz auf meine stetige Arbeit und den Kampf, den ich ab und an mit mir selbst austragen muss.

Und auch ihr, egal ob chronisch krank oder nicht, könnt wahnsinnig stolz auf so vieles sein!

Babysteps oder Elefantenschritte, das ist egal. Tu, was DIR verdammt nochmal gut tut.

Hab niemals Angst, vor Reaktionen anderer Menschen, die sind nicht DU.

Höre auf deinen Körper & auf deine Psyche.

Sei achtsam und mutig.

Wenn ich das geschafft habe und weiß Gott noch immer hart an mir arbeiten muss, dann schaffst du das auch.

Babygirl oder Babyboy, es gibt immer einen Weg. Immer. Plan B ist immer da.

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